Angst vor Entbindung im Krankenhaus: Ein Bericht über meine Hausgeburten

Du möchtest gerne wissen, wie eine Frau zu Hause entbindet und welche Erfahrungen sie gemacht hat. Du hast aber leider keine Freundin oder Bekannte, die zu Hause ihr Kind bekommen hat. Ich teile meine Tagebucheinträge, die ich nach meinen Hausgeburten geschrieben habe, mit dir. Du wirst einen Eindruck davon erhalten, wie eine Hausgeburt bei einer ersten und einer zweiten Geburt ablaufen kann.

Wie ich zur Hausgeburt gekommen bin

„Du bist so mutig“ habe ich oft gehört, nachdem ich erzählt habe, dass ich eine Hausgeburt für mein erstes Kind plane. Oder auch „Ich bin nicht so mutig wie du, Anna“ haben andere Frauen zu mir gesagt. Hmm! Das hat mich nachdenklich gemacht. Bin ich wirklich so mutig?

Ich habe mich unwohl gefühlt und wusste nicht, wie ich in solchen Momenten reagieren sollte. Nach einer Weile ist mir bewusst geworden, dass ich nicht mutig bin: Ich hatte einfach nur Schiss, im Krankenhaus zu entbinden.

Krankenhäuser habe ich noch nie gemocht. Also habe ich zuerst im Geburtshaus angerufen. Die hatten aber leider keine Kapazitäten mehr. Kein Wunder! Ich hatte erst 12 Wochen nach meinem Schwangerschaftstest angefragt.

Dann also doch Krankenhaus. Aber nach all den Besichtigungen der Krankenhäuser in Köln hatte ich das Gefühl, dass ich nicht im Krankenhaus entbinden möchte. Die Ärzte haben die Vorträge gehalten und mit Zahlen – wie lange eine Geburt durchschnittlich dauert, wie viele Tage nach der Terminüberschreitung eingeleitet wird und so weiter – um sich geworfen. Es wurden zahlreiche Möglichkeiten genannt, den Geburtsverlauf zu überwachen und wenn es nötig sei einzugreifen. Erst am Ende durften die Hebammen sich noch fünf Minuten vorstellen.

Ich habe mich darüber gewundert: Ich dachte, die Hebammen führen die Geburt durch. Wenn ich zu Hause entbinde, hänge ich nicht von Beginn an am CTG, oder?! Die Hebamme betreut mehrere Geburten gleichzeitig? Ich dachte ich bin im falschem Film. Ich hatte zunehmend das Gefühl, dass ich zu Hause mit einer Hebamme, die mich eins-zu-eins betreut, viel besser dran bin. Die hohen Kaiserschnittraten haben mich ebenfalls stutzig gemacht.

Es gab nur ein Krankenhaus, was in Frage gekommen wäre: Die Klinik Bensberg ist bekannt für ihren Fokus auf natürliche Geburten. Als wir in dieser Klinik waren, hatte sich mein Gefühl bestätigt. Die Hebammen haben gesprochen und die Fragen beantwortet. Der Arzt hatte mit den Worten „Mich sehen sie nur im Notfall“ direkt an die Hebammen übergeben. „Krankenhäuser verdienen kein Geld mit Geburten. Deswegen haben wir eine gute Augenklinik“, hatte der Arzt in Bensberg mit einem Augenzwinkern gesagt.

Unseren Geburtsvorbereitungskurs haben wir in der Kölner Hebammenpraxis „geborgen geboren“ gemacht. Wir hatten den ersten Termin bereits verpasst. Und beim zweiten Termin sind wir zu spät gekommen. Daher mussten wir am Ende des Kurses noch unseren Strich in der Liste machen. Bevor wir die Praxis verlassen haben, starrten wir auf diese großen Tafeln, auf denen Geburtstage und Geburtsnamen dokumentiert waren:

Ah, sag bloß, ihr macht Hausgeburten?

Philipp

Ja, das machen wir hauptsächlich. Wann ist euer Termin?

Hebamme

24. Januar.

Ich

Ja, im Januar haben wir noch Kapazitäten.

Hebamme

Zack! Wir schlugen zu. Spontan haben wir uns vor Ort für eine Hausgeburt entschieden. Als Backup haben wir uns in Bensberg angemeldet, falls etwas schief gehen würde. Wir waren für alles zu spät und hatten richtig Glück: Wir hatten nun Hausgeburtshebammen, die auch die Nachsorge übernahmen. Bam! Der Hammer! Ich war glücklich, mein erstes Kind in meiner WG gebären zu dürfen.

Meine erste Hausgeburt

Anton

17.01.2018, 11:36 Uhr, 7 Tage vor errechneten Entbindungstermin

Wo

Köln, in meiner 4er WG

Mit wem

Philipp (mein Freund), Laura und Annika (Hebammen), Kati (beste Freundin)

5 Uhr in der Früh bin ich auf die Toilette gegangen – keine unübliche Tätigkeit während meiner Schwangerschaft. Ich bin wieder zurück ins Bett gekrochen. Es war kalt. Und als ich da lag und eben nicht wieder einschlafen konnte, hatte ich plötzlich das Gefühl, das etwas passiert. Also bin ich nochmal ins Bad gegangen und fühlte, während ich auf der kalten Kloschüssel saß, in mich hinein. Die Kontraktionen in meinem Unterleib fühlten sich heftiger an als die Tage zuvor. Ich hatte mir aber keine Gedanken gemacht und habe mich zurück ins Bett gelegt.

Philipp, ich glaube es geht los.

Ich

Ich bin wieder aufgestanden und habe mich mit meinem nackten Popo auf die Toilette gesetzt. Denn ich hatte das Gefühl, dass ich kacken muss. Mir wurde langsam kalt, aber ich war irgendwie nicht in der Lage, mir noch etwas Warmes anzuziehen. Ich war voll bei mir.

Philipp ist zu mir gekommen, hat mir dann einen Pulli übergestülpt und darauf gewartet, dass ich mich äußere. Die Wehen wurden stärker und kamen alle 2- 3 Minuten – Philipp hatte auf die Uhr geschaut. Ich hatte keine Ahnung, was ich tun sollte. Philipp hatte mich gefragte, ob er die Hebammen anrufen soll. Puuh! Diese Frage hatte mich total überfordert. Ich war beschäftigt mit mir und diesen schmerzhaften Wehen. Hatte ich nicht irgendwo gelesen, dass Frau sich die Wehe als anrollende Welle vorstellen soll? Philipp hatte dann selbst entschieden und sie angerufen.

Hallo Annika! Hier ist Philipp. Anna hat Wehen.

Philipp

Ok. Ruf mich nochmal an, wenn die Fruchtblase geplatzt ist.

Annika

Da mir so kalt war, bin ich in die Dusche gegangen, und zwar in die Position des Vierfüßlers. Ich tönte, ich schrie und machte mir Sorgen, dass wegen mir keiner mehr Zähne putzen kann, weil ich das Klo blockierte. Die Schmerzen wurden heftiger und die Wehen kamen immer häufiger. Ich habe ständig den Kopf geschüttelt, weil ich mich mit jeder weiteren Wehe gefragt habe, wie das eine Frau denn bitte schön mehrere Stunden aushalten soll???

Meine Handgelenke und Knie fingen an weh zu tun, aber es wäre auch keine andere Position gegangen. Das warme Wasser was über meinen Körper floss – Philipp hatte die drei Stunden, die ich in der Dusche war, die Brause gehalten – tat mir gut daher wäre ein Ortswechsel nicht in Frage gekommen. Ich hatte Probleme, zu reden. Aber als Philipp gesagte hat, dass ich lauter sein soll, hatte er ganz klar eine Grenze überschritten. Ich habe ihn angeschnauzt:

Feuer mich bloß nicht an!

Ich

Danach war er etwas verunsichert.

Naja. Die Fruchtblase ist noch in der Dusche geplatzt, woraufhin Philipp Annika angerufen hat. Sie hat sich direkt auf den Weg gemacht und war so gegen 8 Uhr bei uns. Sie hat mich untersucht und gleich Laura angerufen, da ich schon so weit war. Philipp hat dann Kati wach gemacht – ein Wunder, dass sie überhaupt noch geschlafen hat – bei dem Lärm, den ich verursacht hatte. Als dann alle da waren, wurden die Pausen zwischen den Wehen länger und ich konnte ein wenig verschnaufen.

Wir sind dann in mein Zimmer gegangen. Philipp hatte vergessen, die Malerfolie zwischen Matratze und Bettlaken zu ziehen – Anfängerfehler! – daher haben Annika und Laura mit den saugfähigen Unterlagen gearbeitet.

Anna, das Baby darf kommen. Du kannst pressen.

Annika

Ich durfte pressen. Na, dann ist es ja bald geschafft, hatte ich gedacht. Ich hatte von anderen Frauen gehört, dass die Pressphase kürzer ist und meine Schwägerin war sogar nach 20 Minuten pressen fertig. Zeiten hin oder her: Es war scheiße anstrengend. Ich wusste nicht, wie und wann und wohin ich pressen sollte. Annika hat mich unterstützt und angeleitet. Philipp war die ganze Zeit dabei gewesen, war weniger unsicher, hat die richtigen Worte gefunden, die mich ermutigt haben, und mitgepresst, wenn er hinter mir saß. Katis, Annikas und Lauras Augen haben nach jedem Pressen geleuchtet und ihre Gesichter haben gestrahlt: „Das war super. Das war richtig gut.“ Wirklich? Ich konnte das nicht glauben. Ich hatte das Gefühl, dass sich nichts tut.

Wir haben mehrere Stellungen probiert: Im Stehen, im Sitzen, in der Seitenlage, weil Anton es schwer hatte, um die Kurve zu kommen. Ich bin nochmal auf die Toilette gegangen, weil ich Angst hatte, dass ich kacken muss. Aber mein Darm war leer. Als ich das festgestellt hatte, ging das Pressen besser. Meine Beine zitterten beim Stehen, aber das Köpfchen war schon zu sehen.

Anna, ich kann das Köpfchen sehen. Willst du mal fühlen?

Laura

Ich hatte es mit meiner Hand ertastet, aber es war so weich. War das wirklich der Kopf? Laura hat ein Foto gemacht und es mir gezeigt. Tatsächlich da ist der Kopf! Das hat mir Hoffnung gegeben, dass diese Tortur bald vorbei ist: Pressen, atmen und nochmal nachschieben.

Auf ein letztes: ich habe mich auf die Seite gelegt. Mit den letzten Wehen habe ich Antons Kopf rausgeschoben – zumindest dachte ich das. Aber er ist wieder reingerutscht. Ich habe geschrien.

Oh nein…nein. Er ist wieder drin.

Ich

Anna, du kletterst doch. Es ist wie beim Klettern. Jeder Stein einer neuen Route geht mit jeder Wiederholung einfacher zu klettern.

Laura

Na gut. Dann nochmal. Ich habe mich zusammengerissen und die letzte Kräfte aufgekratzt. Philipp wollte das Baby in Empfang nehmen. Das Köpfchen hing dann draußen aber die eine Schulter hat noch gefehlt. Annika hat Anton unter den Arm gegriffen und ihm geholfen, denn meine Wehen waren nur noch sehr schwach. Der Rest des Körpers kam dann hinterher: Flutsch!

Oh mein Gott ist er groß. Der hat in mir gelebt.

Ich

Willst du ihn aufnehmen?

Laura

Ich weiß nicht wie.

Ich

Ich habe es dann irgendwie hinbekommen und dieses Wunder auf meine Brust gelegt. Ich war im Siebtesten Himmel aller siebten Himmel. Als ich allerdings nach der Geburt der Plazenta nicht aufgehört hatte zu bluten und der Rettungsdienst gerufen werden musste war die Stimmung für alle – außer für mich – angespannt. Ich hatte mir keine Gedanken oder Sorgen gemacht. Ich hatte keine Angst und hatte volles Vertrauen in die Fähigkeiten der Hebammen, auch wenn Annika meinen Arm zerpiekst hat, weil sie mir keinen Zugang legen konnte. Ich war glücklich. Total high. Und hätte in diesem Moment auch sterben können. Nachdem Laura die Gebärmutter mit ihrer Hand ausgestülpt hatte, habe ich aufgehört zu bluten. Noch bevor der Rettungsdienst da war.

Darf ich die Augen zu machen?

Ich

Nein. Bleib bei uns. Hörst du uns?

Alle

Schau mich an.

Philipp

Sechs Rettungssanitäter haben unsere kleine Wohnung betreten und standen nun in meinem 12 qm Zimmer zusammen mit Kati, Laura und Annika. Es wurde geredet und mein Blutdruck wurde gemessen. Sie haben mir einen Zugang gelegt und einen Tropf angebracht.

Herzlichen Glückwunsch! Ihre Werte sind ok. Wollen sie ins Krankenhaus? Wir werden Sie überwachen und Ihre Blutwerte testen.

Rettungssanitäter

Philipp, sag du…nein, ich möchte hierbleiben.

Ich

Wir habe zu dritt im Bett gelegen und gekuschelt. Anton hat bei Philipp auf der nackten Brust geschlafen, so dass ich mich ausruhen konnte. Anton ging es sehr gut. Nur ich habe flach gelegen. Sobald ich mich aufrecht hingesetzt habe, flackerten Sternchen vor meinen Augen und ich musste mich schnell wieder hinlegen. Ich konnte erst 24 Stunden nach der Geburt aufstehen: Einmal zur Toilette und wieder zurück. Die Tage nach der Geburt kamen Freund*innen vorbei: Jeden Tag. Sie haben mir Essen vorbeigebracht und mit dem schlafenden Anton auf der Brust in meinem Bett gelegen. Einen Monat nach der Geburt ging dann unsere gemeinsame Elternzeit los.

Meine zweite Hausgeburt

Merle

30.06.2020, 04:45 Uhr, 8 Tage nach errechneten Entbindungstermin

Wo

Frechen, in meiner 7er Haus-WG

Mit wem

Philipp (mein Freund) und Laura (Hebamme)

Ich musste am Montag, den 29.06.2020, nochmal zur Frauenärztin. Ich bin mit meinem Fahrrad – 5 km hin und 5 km zurück – gefahren. Die Rücktour war dann doch anstrengend. Am späten Nachmittag haben wir am Camper gebaut. Ich bin kurz zu unseren Nachbarn rüber gelaufen, um Werkzeug zurückzubringen. Amy hatte mir die Tür auf gemacht.

Anna, ich habe ein gutes Gefühl. Heute geht es los.

Amy

Ich habe gelächelt und dem wenig Beachtung geschenkt. Jaja, mal schauen, habe ich gedacht. Ich war, seitdem ich den Termin überschritten habe, etwas nervös und gestresst. Plötzlich musste ich öfter zu meinen Hebammen und meine Frauenärztin sollte mich ebenfalls nochmal untersuchen.

Ich hatte gerade erst wieder das Vertrauen in meinen Körper und in die Natur zurückgefunden. Daher wollte ich entspannt bleiben. Und hatte den Kommentar von Amy etwas ignoriert. Vor dem Abendessen habe ich mich dann doch entschieden, das Bett für die Geburt vorzubereiten. Bei Antons Geburt hatten wir das ja vergessen. Und durch meinen hohen Blutverlust ist auch ein recht großer Blutfleck auf meiner Matratze zurückgeblieben. Das wollte ich diesmal vermeiden. 

Um diesen körperlich aktiven Tag abzurunden, hatten Philipp und ich am Abend Sex: Löffelchen, weil etwas anderes nicht mehr ging. Ohman, was für ein Tag! Bevor ich eingeschlafen bin, hatte ich Wehen. Aber so war das die letzten Tage auch. Nachts bin ich mehrmals auf Toilette gegangen. Ich bin jedes Mal wieder eingeschlafen. Kurz vor 3 Uhr saß ich wieder auf dem Klo und hatte das Gefühl, dass die Wehen, die ich hatte, stärker und regelmäßiger waren. Ich konnte die Wehen veratmen. Es war noch nicht so schlimm.

Ich habe Philipp geweckt, als ich gemerkt habe, dass die Abstände doch schon kurz waren. 3:23 Uhr hat Philipp Laura angerufen.

 

Hey Laura. Hier ist Philipp. Es geht los.

Philipp

Danach hat er Kati, unsere Mitbewohnerin, geholt. Sie hat sich neben Anton ins Bett gelegt und wir sind langsam die steile Treppe hinunter gegangen. Ich fühlte mich noch ganz gut und die Wehen waren auszuhalten.  

Philipp hatte, während ich wieder mal auf der Toilette meine Zeit verbracht habe, warmes Wasser in die Badewanne gelassen. Diesmal musste er nicht fast drei Stunden das Wasser laufen lassen und den Duschkopf über mich halten. Nein, an diesem Tag durfte ich mich in warmes Wasser legen. Wie komfortabel! Mir war so kalt, dass ich am ganzen Leib gezittert hatte, und schlecht war mir auch. Daher habe ich mich sehr über Wärme gefreut.

3:52 Uhr ist Laura angekommen.

Du machst das sehr gut. Anna, leg dich auf die Seite. Der Vierfüßlerstand ist eine Ausweichhaltung.

Laura

Na gut. Schwerfällig habe ich mich umgelegt. Sie fing an alles vorzubereiten und ich sollte sie rufen, wenn ich es nicht mehr aushalte. Nachdem ich mich mühevoll gedreht hatte, wurden meine Wehen schlagartig seeehr heftig. Sie haben länger gedauert, waren wesentlich schmerzhafter und intensiver. Ich musste schreien. Ich habe mit der Hand gegen die Wand geschlagen. Der Schmerz ist mir in den Po gezogen. Ich hatte das Gefühl, mein Po würde aufreißen. Ich habe gesehen, wie mein Bauch kontrahiert und gezuckt hat – als ob ein Alien gleich durch die Bauchwand kommen würde. Ich wollte unbedingt mitschieben. Ich habe Merles Kopf gespürt, wie er sich nach unten geschraubt hat. Als ich wirklich nicht mehr konnte, habe ich geschrien:

Laura, es drückt so sehr.

Ich

Sie hat mich aus der Badewanne geholt.

Ich habe keine Lust darauf, dass du dein Kind hier in der Badewanne bekommst.

Laura

Ich habe sehr schnell geatmet und konnte mich kaum bewegen. Ich habe mich aus der Badewanne gequält, wurde kurz abgetrocknet und bin gebückt mit Philipp und Laura rüber in Mirandas Zimmer gegangen. Kaum habe ich mich hingelegt, kam die nächste Wehe – ein Megatsunami. Ich war sowas von am Ende. Ich wollte Merle helfen und sie aus meinem Körper schieben.

Zwischen den Wehen hat mir Laura einen Zugang gelegt – zur Sicherheit, da ich bei Anton viel Blut verloren hatte. Als nächstes hat sie nach dem Muttermund geschaut.

Er ist weit genug auf. Du kannst mitschieben. Mach es nach Gefühl.

Laura

Sie hat das mit einem Riesenlächeln im Gesicht gesagt. Das war meine Erlösung. Und bedeutete zugleich noch mehr Schmerzen. Ich habe geschoben – nur einmal – und Merles Kopf zwischen meinen Beinen gespürt. Da war sie schon. Es hat sooo scheiße weh getan. Bei der nächsten Wehe höre ich im Hintergrund eine sanfte Stimme sagen: „langsam“. Es war wie ein fernes Rauschen. Ich habe also langsam geschoben, aber stetig – ganz nach Gefühl – während ich den Schmerz ausgehalten habe. Noch zwei oder drei Mal habe ich geschoben, dann war Merles Kopf draußen. Ich habe instinktiv auf ihr Schreien gewartet. Als ich es gehört habe, war ich beruhigt. Eine allerletzte Wehe, dann waren auch Schultern, Po und Beine draußen. Geschafft.

Laura hat sie mir gereicht.

Oh Gott, bist du süß und klein.

Man, hast du große Ohren.

Ich und Philipp

Merle lag auf meiner Brust und Philipp neben mir. Wir haben auf die Plazenta gewartet, die dann auch irgendwann kam. Geblutet habe ich fast gar nicht. Ich habe die Nabelschnur durchgeschnitten. Merle hat begonnen an der Brust zu trinken.

Gegen 8 Uhr sind Kati und Anton runtergekommen.

Anton, das ist Merle.

Ich

Anton hat geguckt und geschwiegen. Irgendwann habe ich ohne Merle dagelegen. Sie war bei meiner Mitbewohnerin Rita auf dem Arm. Während Philipp sich um andere Dinge kümmerte. Ich hatte noch lange heftige Nachwehen. Es hatte sich angefühlt, als ob mein Unterleib zerrissen wird. Mir wurde schlecht vor Schmerzen und ich musste mich übergeben. Als Laura am Nachmittag uns nochmal besuchte, habe ich das angesprochen.

Anna, du darfst zweimal 400 Ibuprofen nehmen. Du sollst dich ja auch um dein Baby kümmern können.

Laura

Ja, stimmt. Da war ja was. Ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind. Ich fühlte mich erleichtert und konnte entspannen.

Nun weißt du, wie meine Hausgeburten abgelaufen sind und wie ich sie erlebt habe. Ich war froh, dass ich zu Hause war, in meinem Bett mit meinem Neugeborenen kuscheln und ich frisch gekochtes Essen zu mir nehmen konnte. Ich musste erst das Haus verlassen, als die zweite U-Untersuchung anstand.

Meine Geburten sind – bis auf den hohen Blutverlust bei meiner ersten Geburt – unkompliziert verlaufen. Für mich waren es zwei wunderschöne und zwei sehr unterschiedliche Geburten. Für mich war es das Richtige, zu Hause zu entbinden.

Eine Hausgeburt kann aber auch anders ablaufen und beispielsweise mit einer Verlegung verbunden sein. Ob eine Hausgeburt risikoreicher ist als eine Geburt im Krankenhaus, erfährst du in einem anderen Artikel.

Weitere Erfahrungsberichte

Ich habe ein Interview bei Kinderhaben.de gefunden. Hier berichten zwei Frauen von ihren Hausgeburten, die im Krankenhaus beendet wurden. 

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, meinen Artikel zu lesen.

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